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004 – Der Fluss wird zum Strom

Man hat die Isar noch als den jungen und ungestümen Jüngling eines Gebirgsflusses im Kopf, wie er sich in Mittenwald, Bad Tölz und ein bisschen auch noch in München gibt. Doch mit jedem Kilometer, den wir Richtung Donau machen, wird die Isar erhabener, breiter und ruhiger, als würde sie sich auf ihre Mündung in die Donau vorbereiten.

Die Isar weit flussabwärts
Die Wege am Fluss werden einsamer

Wir fahren mal am Fluss, mal in der Nähe durch die Auen und zweigen irgendwann nach Osten ab, um über einen recht heftigen Anstieg in´s benachbarte Vilstal zu gelangen. Die Niederungen des Isartals weichen einer idyllischen Hochebene und wir sind weit weg von jeglichem Trubel in kleinen Dörfern unterwegs, wo es mal ein Eis und mal Speck und Schafskäse vom Hof gibt. Wir und unsere Gefährte sind überall, wo wir Rast machen, eine kleine Attraktion und wenn wir die Frage beantworten, wo es denn hingehen soll, denkt jeder, er habe sich verhört.

Dorfidyll in Bayern

Auch für uns stellt sich unser Ziel nun anders da, weil wir langsam ein Gefühl dafür entwickeln, was 10, 30 oder 100 Kilometer bedeuten, wenn man jeden Meter selbst, mit eigener Kraft und eigenem Willen zurücklegt, sei es auf steinigen Feldwegen, bei schweißtreibenden Anstiegen, leichtfüßigem Gleiten im Abendlicht oder auf einsamen Landstraßen in der Nacht.

Die letzte Strecke Richtung Vilshofen an der Donau ist ein Traum. Links und rechts steigen die grünen Hänge in die Höhe, oben stehen die erhabenen Kirchen und wir rollen fast ohne Anstrengung bis in die engen Gassen der Stadt, die erstmal im Jahr 776 in den Geschichtsbüchern erwähnt wurde.

Gleich sind wir da

Kurz bevor wir wirklich die Donau erreichen, treffen wir einen anderen Radler, der ganz offensichtlich auf großer Tour unterwegs ist. Den Lenker seines Fahrrads schmücken kleine Gebetsfahnen, er hat jede Menge Gepäck dabei und wirkt dennoch sehr spartanisch. Tom aus Grenoble fährt mit dem Fahrrad nach Ladakh in Nordindien, um dort den Abt eines buddhistischen Klosters zu treffen.

Tom auf dem Weg nach Ladakh

Wir rollen die letzen Meter an die Donau in wunderschönem Abendlicht und haben zum ersten Mal das Gefühl, ein kleines Etappenziel erreicht zu haben.

Am großen Strom